Hermine Friedrich
Osterbräuche in unserem Dorf
(veröffentlicht im Heimatbuch des Kreisheimatvereins Altenkirchen 2002 - hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Heimatvereins)
Seit einigen Jahren erfreut unsere Nachbargemeinde Horhausen an Ostern Einheimische und Besucher mit einem Ostereierwettwerfen. Das erinnert mich lebhaft daran, dass ich ähnliches schon aus meiner Kinderzeit kannte. Meine Gedanken gingen zurück an die Zeit vor siebzig Jahren, als in meinem Heimatdorf Eichen noch viele lebendige Osterbräuche gepflegt wurden.
Am Ostersamstag suchten wir Kinder im Wald Baumaterial für unsere Osternester. Wir brauchten junge Reisigzweige und Matten von besonders schönem jungen Moos. Zu Hause auf der Wiese errichteten wir aus den Zweigen ein kleines Gewölbe, indem wir ihre Enden in die Erde steckten und die Reiser dazwischen aufspannten. Das Gerüst wurde von außen mit Moos bedeckt und von innen ganz weich ausgepolstert. Der Osterhase sollte es sehr gemütlich vor finden! Um ihn einzuladen ihm den Weg zu zeigen, legten wir einen langen, schmalen Teppich aus Moos vor dem Eingang des Nestes aus. Die Nacht verbrachten wir in der gespannten Hoffnung, der Osterhase möge unserem Nest einen Besuch abstatten. Wir hatten Glück: Am Ostermorgen sahen wir schon von weitem, dass der Osterhase seine Spuren hinterlassen hatte. Kleine "Zuckereichen" in allen Farben leuchteten im Moos des Teppichs vor dem Nest. Im Nest fanden wir bunte Ostereier, es waren meistens vier davon für jedes Kind. Sie hatten einfache Farben, oft waren sie gelbbraun. Als wir Kinder größer wurden, erfuhren wir, dass die Eltern die hartgekochten Eier am Vortag gefärbt hatten. Bevor es Farbpulver aus dem Tütchen gab, benutzten sie dazu natürliche Farbstoffe, so waren die gelbbraunen Eier mit Zwiebelschalen gefärbt worden.
Später am Frühstückstisch gäbe es zu den Ostereiern frischgebackenen Hefezopf und "Eierkäs". Mit den Eiern veranstalteten wir einen kleinen Wettbewerb, sie wurden "gekippt". Man schlug gegenseitig mit der spitzen oder stumpfen Seite des Eies aufeinander, um herauszufinden, wer das Ei mit der festeren Schale hatte. Eigentlich musste man das Ei mit der geplatzten Schale dem Gewinner hergeben. Meistens aber zeigte man sich großzügig und überließ dem Verlierer sein Osterei doch zum Frühstück. Eine besondere Rolle an den Ostertagen spielte in unserem Dorf Balzars Viehweide. In der Wiese befand sich eine große Vertiefung und diese wurde zu unserer "Eierkaul". Immer gab es hier zu Ostern allerlei lustiges Leben und Treiben. Weil im zeitigen Frühjahr das Gras in der Viehweide noch klein war, durften wir dort herumtollen, was später im Jahr nicht mehr gern gesehen war. Mit einigen bunten Ostereiern ausgestattet, die Mädchen im Körbchen, die Jungen in den Hosentaschen, waren wir mit vielen Kindern versammelt. Munter begann das "Flützen" der Ostereier in die Wiesenkaul. Es ging darum, seine Eier möglichst weit in die Wiese hineinzuwerfen. Wir freuten uns, wenn die bunten Eier besonders weite Würfe heil überstanden. Enttäuscht war man, wenn sie bald in viele Einzelteile zerbrachen. Ein wenig Entschädigung bekam man aber, weil das Essbare der zerbrochenen Eier an Ort und Stelle verzehrt wurde. Schließlich stellte sich ein Ei als besonders widerstandsfähig heraus, weil es die meisten Würfe und Landungen ohne Schaden überstand. Es wurde dann als "Gröndonnerschdisches" bezeichnet. Mit viel Freude erinnere ich mit an das muntere Ostertreiben in der "Eierkaul" in den ersten warmen Tagen des Jahres.
Einige Ostereier hatten wir zu Hause gelassen. Mit diesen machten wir an den Osterfeiertagen Spaziergänge mit den Eltern in den Wald. Unser Weg führte uns zu einigen großen Ameisenhaufen, die wir gut kannten. Dort legten wir für eine Weile unsere bunten Eier und beobachteten, wie die Ameisen in der warmen Frühlingssonne kreuz und quer über sie hinwegliefen. Von der Säure der Ameisen bekamen die Eier die schönen Sprenkelungen, die wunderbarsten Farbornamente zauberten die Tiere auf die bunten Schalen. Wir erkannten in ihnen Künstler des Waldes und verwahrten lange die schönen Schmuckstücke.
Ich denke mit Freude an die schöne Zeit zurück, als wir an einfachen Dingen in unserer kleinen Dorfwelt so viel Freude hatten.