Die
Stammeltern von Meudt
Gritchen May hatte 15
leibliche Kinder
“Grietchen,krumm
erie, du muß ugedoh wire, du hos Hochzeit haut!”
Gritchen May (geboren 1752) war an diesem 22.04.1765 gerade 13 Jahre ,
zwei Monate und drei Wochen alt, schon ein Jahr aus der Pfarrschule
entlassen, spielte aber an diesem Montag noch Ball mit anderen Kindern
auf der Ruppacher Dorfstraße und sollte mittags in Meudt mit
dem honestus adolescens (ehrenhaften Jüngling) Melchior Wolf
"Ludi - Rector" (Schulleiter) als pudica virgo (züchtige
Jungfrau) vor der ganzen Gemeinde die Ehe Schließen.Der
Bräutigam war gut 24 Jahre alt, geboren am 12.Dezember 1740 in
Dahlem, seit 1761, also mit 21 Jahren,Schulleiter der Kirchspielschule
in Meudt durch Paten vom Churfürstlichen Trierischen Vikariat
zu Koblenz, auch Küster und Cantor. Er hatte ein
Jahreseinkommen von:
38
Malter Hafer (1 Malter 0 ungefähr 128 Liter)
450
Glockenbrot
53
fl.(Gulden) Schulgeld von 106 Kindern
20
Xer (Kreuzer)Holzgeld von jedem Kind
17
fl.für das Aufziehen der Kirchuhr
6
fl.für die Kirchenlampe (Ewiges Licht)
26
fl.(ungefähr) an Stolgebühr bei Taufen, Trauungen,
Beerdigung
Sie
heiraten und zogen nach Meudt. 1768 bekamen sie das erste Kind.
Gritchen war 16 Jahre alt. Mit 46 Jahren sollte sie 30 Jahre
später das letzte, das 15. Kind bekommen. Als die Stammmutter
Gritchen am 14.August 1835 mit 83 Jahren starb, waren von denen acht
Söhne und drei Töchter am Leben. Mit ihnen umgaben 64
Enkel und 33 Urenkel das Sterbebett.
Das
Miterleiden ihrer Schicksale ist hinter diesen Zahlen verborgen: Das 14
Kind Johannes Wolf starb am Montag,dem 18.Juni 1815, bei Belle -
Alliance (Waterloo) in Brabant am Berge Saint Jean mit 21 Jahren den
schönen Tod fürs Vaterland .Er wurde durch
Volltreffer einer Granate ausgelöscht. Das Herz der Mutter
hatte den Schlag in Meudt gehört .”Es hatte sich
angemeldet”. (Auf dem Waterloo - Denkmal am Luisenplatz in
Wiesbaden steht auch sein Name.)
Am
Donnerstag,dem 16.November 1815, morgens um 4 Uhr starb mit 75 Jahren
der angesehene Ludi Rektor Melchior Wolf nach Empfang der
Sterbesakramente,bis zum letzten Augenblick
geistesgegenwärtig. Er versammelte die Seinen an seinem Lager
und ermahnte sie noch einmal.
Das
sechste Kind, der am 19. Februar 1781 geborene Johann Philipp
Wolf, erhielte seine Ausbildung auf der
“Normalschule” zu Montabaur , versah noch zu
Lebzeiten des Vaters als dessen Gehilfe das Lehramt
gemäß einem “Adjunktionspatent”
vom Erzbischöfl. Trierischen Generalvikariat zu Limburg vom
28. Mai 1802 und folgte seinem Vater gemäß einem
Anstellungsdekret der beiden Fürsten zu Nassau vom 24.02.1816.
Am 10.03.1852 kam er um Pensionierung ein. Am 15.06.1852 starb er im
72.Lebensjahre. Am nächsten Tag kam das Pensionsdekret, er
hätte mit seinen 50 Dienstjahren 296 fl. 16 Xer in
Quartalraten postnumerando bekommen. Am 17.06.1852 wurde er begraben.
Sein Grabstein steht bei meinem Vorgärtchen am Pfarrhaus in
Meudt. So hatte der Ahn Melchior Wolf 54 Jahre, sein Sohn Philipp 50
Jahre in Meudt Schule gehalten. Über 100 Jahre war ganz Meudt
bei ihnen in die Schule gegangen. Jetzt nach 200 Jahren,stammt ein
großer Teil der Bewohner des Kirchspiels von ihnen ab. Sie
waren meine Dreimal Urgroßeltern, für die Kinder des
Dorfes sind sie jetzt Fünfmal Urgroßeltern. Ich
könnte zu fast allen “Verer” und
“Wäs” (Vetter und Base) sagen.Die
“Eingeborenen” gehören fast alle zu meiner
“Verwandtschaft” ,”Sippschaft”
oder “Freundschaft”.
Pastor
Friedrich Froh
Rhein
Lahnfreund Jahrgang 1969 Seite 241 Heil Druck Bad Ems
Hier
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des
Rhein-Lahn-Kreises
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