Durch das 4. Verwaltungsvereinfachungsgesetz des Landes Rheinland - Pfalz bilden ab dem 7.6.1969 die Dörfer Elsoff und Mittelhofen eine neue Gemeinde mit dem Namen Elsoff.
Elsoff - Mittelhofen im Lasterbachtal
Begleiten wir den Lasterbach, der auf der Westernoher Viehweide entspringt, bachabwärts, gelangen wir über Oberrod in südlicher Richtung nach Elsoff. Mächtig erhebt sich auf einer Anhöhe am östlichen Dorfrand die Pfarrkirche. Der wuchtige Turm ragt weit über das Tal des Lasterbaches. Der Unterbau des Turmes stammt aus dem 12. Jahrhundert, wie die noch erhaltenen romanischen Fensterbogen beweisen. Der Turm diente hauptsächlich zu Wehr. Wie schutzsuchend schmiegen sich noch heute die Häuser in den Berg, auf dem man in früheren Jahrhunderten hinter den starken Mauern der befestigten Kirche oft Sicherheit fand vor durchziehenden Kriegsscharen.
Elsoff, muss aufgrund des Namens, zu den ältesten Siedlungen im Westerwald gezählt werden. Wahrscheinlich ist die Siedlung schon um das Jahr 400 nach Christus entstanden. Auf diese Jahreszahl kann man aber auch nur durch die Namensgebung (Elsaffa, Endung a) schließen. Ob die Siedlung in den folgenden Jahrhunderten immer bewohnt war kann nicht bewiesen werden.
Elsaf war anfangs, wie die meisten Dörfer, eine Rodung, später ein größerer Hof, der dann wohl in den Besitz der Adeligen von Elosafen kam.
Im Jahre 1024 wird ein Ort namens "Ehelschaff" erwähnt. Chronisten bezweifeln jedoch, dass es sich hierbei um den Ort Elsoff handelt. Nach dortiger Auffassung sei hier ein Dorf am Rhein bei Neuwied gemeint.
Von 1230 bis 1300 verzeichnen Urkunden ein hier ansässiges Geschlecht von Elosaffen. Dieses waren Adelige die einen Hof betrieben. Die anderen Bauern waren Leibeigene. Die erste Kapelle wurde wahrscheinlich auch von diesen Adeligen erbaut.
Die erste urkundliche, zweifelsfreie Erwähnung und in Zweitschrift noch erhaltenes Dokument, stammt aus dem Jahre 1236. Die Urkunde berichtet von einem "Siegfried von Elosaffen" der als Soldat in der Begleitung des Grafen Heinrich von Nassau genannt wird.
Aufgrund dieser ersten urkundlichen Erwähnung könnte die heutige Gemeinde Elsoff im Jahre 1986 ihre 750-Jahrfeier begehen.
1302 macht eine Beatrix von Elosaffen eine Schenkung an das Kloster Seligenstadt aus ihrem Besitz in Brechelbach. Graf Johann von Hadamar kaufte 1337 die vier Zehnten von dem Grafen Gottfried und Gerhard von Diez. Nach dem die Linien von Hadamar (1394) und Diez ausgestorben waren, erhob Adolf von Nassau - Dillenburg Ansprüche auf die Grafschaft Diez. Er hatte die Tochter von Gerhard VII von Diez geheiratet. 1394 kam dann Ellar zu einem Drittel an Dillenburg und zu zwei Drittel an Katzenelnbogen. Elsoff kam zur Grafschaft Dillenburg.
Zu dieser Zeit (im 13. und 14. Jahrhundert) hatte Elsoff ein eigenes, wenn auch niederes Gericht. Zum Gerichtsbezirk gehörten Oberrod, Westernohe und Mittelhofen.
Jahrhundertelang gehörten die vier Gemeinden Elsoff, Oberrod, Mittelhofen und Westernohe zur Pfarrei Seck. Nach einem Vertrag von 1449 musste Elsoff zum Bau der Mutterkirche in Seck die Hälfte der Kosten aufbringen, obwohl schon 1440 mit der Peter- und Paulskirche eine richtige Filiale der Pfarrei Seck entstanden war und 1447 sich die vier Dörfer vereinigten und einen Altar gründeten, das heißt sie fundierten einen richtigen und regelmäßigen Gottesdienst in Elsoff. Die erforderliche Vergrößerung der Kapelle erfolgte in der Zeit von 1500 bis 1530, der jetzt geschaffene Raum blieb erhalten bis zum Unbau im Jahre 1911.
1532 wurde Elsoff selbstständige Pfarrei und hat seit dieser Zeit auch einen Pfarrer.
Zu Dillenburg gehörte Elsoff bis 1606. Von 1606 bis gehörte Elsoff zur Grafschaft und von 1650 bis 1711 zum Fürstentum Hadamar.
Auch die Stürme des Dreißigjährigen Krieges fegten oft mit rauher, vernichtender Gewalt über unser Gebiet. Die Pfarrkirche in Elsoff gehörte mit zu den wenigen befestigten Kirchen im früheren Herzogtum Nassau. Die Mauer und besonders die Pforte waren mit Schießscharten versehen und für damalige Verhältnisse fast uneinnehmbar.
Im Jahre 1611 wurde die Kirche ausgeplündert. Besonders gefürchtet waren die Truppen des kaiserlichen Obristen Görzenich, dessen Truppen von 1626 bis 1628 dreimal durch den Westerwald zogen. Schon der Ruf "Der Görzenich" kommt, wirkte wie ein Scheckgespenst und trieb die Bewohner mit Hab und Gut in die Wälder. 1631 zog ein Dillenburger Regiment, in schwedischen Diensten stehend, durch unser Gebiet. 1632 berichtet der Chronist aus Hadamar: "Gegen Ende des Jahres war kein Pfarrer mehr auf festem Fuß in seiner Pfarrei". Nur Gabriel Cuno aus Frickhofen und Johannes Eschweiler aus Elsoff sind noch auf ihrem Platz als Pfarrer. Letzter hatte teils im Walde, teils in dem Gemäuer der zerfallenen Mayenburg bei Mengerskirchen seinen Wohnsitz aufgeschlagen.
Von 1632 bis 1635 durchzogen Holländer und Schweden unseren Raum. Die Verzweiflung trieb die Bewohner des Westerwaldes zum Selbstschutz. Auf dem Kirchhof in Elsoff hatten sich die Einwohner mit allem Vieh und ihrer ganzen Habe in den Schutz der befestigten Mauern geflüchtet, als ein schwedisches Kommando von Mengerskirchen heranrückte. Wie der Chronist Wagner berichtet, haben die wackeren Elsoffer die Schweden mit einem so lebhaften Musketenfeuer empfangen, dass sie unter Zurücklassung von Toten und Verwundeten eilends wieder abzogen.
1646 dann der letzte große Aufmarsch von Kriegsvolk im Westerwald. Die Kaiserlichen und Bayern vernichteten das Letzte, was die früheren Kriegsjahre noch verschont hatten.
Das alte Pfarrhaus in Elsoff wird 1674 zum ersten Mal erwähnt, die Ökonomiegebäude sind jedoch erst in späteren Jahren errichtet worden. Die Pfarrer waren in den meisten Fällen auf eine Bewirtschaftung der umfangreichen Landwirtschaft angewiesen und einige hatten den Ruf ausgezeichneter Ökonomen.
Um 1730 wird erstmals in Elsoff eine Schule erwähnt. Sie befand sich in der Nähe des alten Backhauses an der oberen Brücke. In der Zeit von 1772 bis 1783 kaufte die Gemeinde von Adam Merten ein Haus und baute es zum Schulgebäude um.
Nach einem Bericht von 1807 gingen 178 Kinder vom 6. bis zum 12. Lebensjahr zur Schule. Von 1631 bis 1965 unterrichteten in Elsoff 70 Lehrpersonen.
Die Besiedlung von Mittelhofen, nach Namensendung - hofen - zu urteilen fällt in die dritte Besiedlungsschicht des mittleren und hohen Westerwaldes. Diese dauerte vom 6. bis 11. Jahrhundert. Möglich ist auch, das der Ort, dessen Gründung auf einen einzelnen Hof zurückgeht, seinen Namen Mittelhofen seiner Lage zwischen Elsoff und Hof Krempel verdankt. Elsoff war die erste Siedlung und von dort aus wurde der Hof Krempel besiedelt, ein bekanntlich sehr alter Hof. Mittelhofen - Midelhoben - war wohl der Hof dazwischen, der mittlere Hof.
Der Ort Mittelhofen wird zwar in Aufzeichnungen genannt, jedoch ist eine urkundliche Erwähnung erst sehr spät festzustellen. 1577 musste der Hof "Middelboben" dem Pfarrer in Elsoff jährlich eine Gans und einen jungen Hahn abliefern. Diese Abgaben wurden auch beibehalten als 1788 unmittelbar am Lasterbach die Kapelle erbaut wurde, die auch noch Mittelpunkt des Ortes ist.
Um 1630 berichtet die Chronik in Hadamar, dass in dem Dorf Mittelhofen besonders viele Leute an der Pest gestorben seien. In diesem Zusammenhang steht wahrscheinlich der Untergang der Siedlung Wenau, an der alten Viehweide in Mittelhofen. Diese Ansiedlung ist zwar nirgends erwähnt, jedoch ist Tatsache, dass dieses Dorf im Dreißigjährigen Krieg verwüstet wurde. Nur drei Frauen überlebten. Von diesen drei Frauen siedelte sich je eine in der Gemeinde Elsoff, Gemeinde Mittelhofen und der Gemeinde Lahr an, so dass bei ihrem Tode je ein Drittel der Gemarkung Wenau an die Gemeinden Elsoff und Mittelhofen sowie an die Kirchengemeinde Lahr fiel. Wahrscheinlich waren die drei Frauen die einzigen die nach dem Einfall der Kriegsscharen, die nun folgende Pest überlebten.
Unterhalb von Mittelhofen liegt der Krempeler Hof, einer der ältesten Höfe am Lasterbach. Hof Krempel war wohl eine Gründung der Adligen von Elsoff. Mit der schon erwähnten Beatrix von Elosaffen ist dieses Adelsgeschlecht wahrscheinlich ausgestorben. 1427 wird der Hof erstmals urkundlich erwähnt. Edelleute von Heppenberg in Elsoff, verkauften Lehnsgut des Herrn von Runkel, Äcker im Kirchspiel Elsoff, die Mühle zu Krempel und die halbe Wiese in den Gräben für 11 Malter Roggen und 5 Malter Hafer auf 11 Jahre an den Grafen von Katzenelnbogen. Über die Entstehung und über die Bedeutung des Namens sind keine oder noch nicht gefundene Aufzeichnungen vorhanden.
Der Hof Krempel und die Gemeinde Mittelhofen bildeten bis 1969 schon jahrzehntelang eine politische Gemeinde.
Wenn auch erst seit 1969 durch die rheinland-pfälzische Verwaltungsform die bis dato selbständigen Gemeinden Mittelhofen und Elsoff eine politische Einheit unter dem Namen Elsoff bildeten, so war das Leben der Bürger und der Gemeinden doch eng miteinander verknüpft. Schon die Chronik beweist, dass beide Dörfer nicht nur kirchlich, sondern auch politisch und kulturell jahrhundertelang eng zusammengearbeitet haben.
Vieles könnte hier aufgezählt werden, was beide Orte miteinander getan und verwirklicht haben. Doch dies würde den angesprochenen Rahmen überziehen.
Vieles bleibt noch zu tun
Der Verfasser wünscht der politischen jungen und aufstrebenden Gemeinde Elsoff - Mittelhofen gute und objektive Zusammenarbeit, sodass spätere Generationen mit Stolz und Freude an die heutige Zeit zurückdenken.
Werner Wayand, Bürgermeister
Quelle: Festschrift zum 5 jährigen Bestehen des Musikvereins Elsoff - Mittelhofen am 7.,8 und 9.9.1984
Bearbeitung des Textes: Werner Espanion, Elsoff, erstellt: Mai 2010